Autorin Judith W. Taschler

Rezensionen


Der unnötige Pflegesohn
Jene Kinder der Familie, die dem Therapeuten gegenüber darauf beharren, dass sie ganz „normal“ aufgewachsen seien, haben wohl recht. Kinderarbeit ist in bäuerlichen wie touristischen Zusammenhängen nicht unüblich. Genauso normal ist es in Fremdenverkehrsregionen, die Intimität den Familienanschluss-Bedürfnissen der Gäste zu opfern, was die „natürlichen“ Tendenzen bürgerlicher Familienkonzeption – Abschottung der Konflikte in den eigenen vier Wänden und beschönigende Außenpräsentation – nicht unerheblich erhöht. Seit Norbert Gstreins Debüt „Einer“ (1988) sind diese Zusammenhänge nicht mehr so ungeschönt dargestellt worden.
Sommer wie Winter

Evelyne Polt-Heinl, Die Presse


Judith W. Taschlers „Sommer wie Winter“ ist zwar ein Debütroman, aber dennoch ein stilistisch und erzähltechnisch reifes Buch. Souverän verknüpft die Autorin die narrativen Fäden zu einem komplexen Geschichtennetz, stilsicher schreibt sie die authentisch, ja lebendig erscheinenden Figuren. Die Sicherheit der Autorin verleiht „Sommer wie Winter“ eine gewisse Schwerelosigkeit oder Leichtigkeit, obwohl das Buch von sehr schwierigen Themen handelt: Herkunftstraumata und Schuld, Tabu und Verbot, Alterität und Identität, Anpassung und Ausgrenzung, … Dass Taschlers Roman auch noch mit einer spannenden Krimihandlung aufwarten kann und es sich hier um einen klassischen „page-turner“ handelt, tut der Freude über dieses gelungene Debüt natürlich ebenfalls keinen Abbruch.
Sommer wie Winter

Gerald Lind, Literaturhaus Wien

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