Autorin Judith W. Taschler

Rezensionen


Wer ist Täter? Wer Opfer? Geschickt lässt die Autorin die Frage nach den Schuldigen offen. Der Leser fiebert mit, möchte wissen, was wirklich geschehen ist. Und wird mit viel Feingefühl in eine Welt befördert, in der die Grenzen zwischen Tätern und Opfern verschwimmen. Die Friedrich-Glauser-Preisträgerin beweist mit „Das Geburtstagsfest", dass Literatur viel zur Aufarbeitung der Vergangenheit beitragen kann. Die Schreckensherrschaft der Roten Khmer erhält scharfe Konturen. Aber nicht nur das: Der Leser taucht in das Leben von Menschen ein, die Krieg und Gewaltherrschaft überleben und versuchen, nicht daran zu zerbrechen. Ein durch und durch menschlicher Roman.
Das Geburtstagsfest

Susanna Bastaroli, Die Presse


Es kommt nicht gar so oft vor, dass man als Leser, nach Erreichen des hinteren Buchdeckels, das Gelesene kapitelweise gleich noch einmal studiert. Fraglos ein Zeichen dafür, dass das Leseerlebnis Spuren hinterlassen hat. Somit darf man die in Innsbruck lebend­e Autorin Judith W. Taschler getrost schon vorab loben: Ihren neuen Roman „Das Geburtstagsfest“ bekommt man so schnell nicht wieder aus dem Kopf. Es ist eine packend­e Story, unmenschlich grausam und doch auf berührende Weise auch schön. Menschen werden in Scharen dahingemetzelt. Den Glauben an die Menschlichkeit vermag all das aber nicht zu zerstören. Definitorisch bemüht könnte man Taschlers neuen Roman eine Familienchronik vor historischem Hintergrund nennen. Das ist kein neues Erzählmuster. Doch das Buch ist weder langatmig noch belehrend, im Gegenteil. Es liest sich dermaßen fesselnd, dass man keine Ruhe hat, bis man durch ist.
Das Geburtstagsfest

Markus Schramek, Tiroler Tageszeitung


Judith W. Taschler wechselt geschickt Zeiten, Orte und Stilmittel (E-Mails, Tagebucheintragungen, Ich-Erzählungen). Ihr Roman gerät dank penibler Recherche auch zur interessanten zeitgeschichtlichen Nachhilfe. Ein rundum lesenswerter Roman, mit üppigem Ende.
Das Geburtstagsfest 

Helmut Atteneder, Oberösterreichische Nachrichten


Es ist wieder ein richtig umfangreiches Konstrukt an Personen, Schauplätzen und Generationen geworden, wie man es bei Judith W. Taschler von Vorgängerromanen wie "bleiben" oder "Roman ohne U" kennt. Die Autorin zieht aber routiniert die Fäden bei diesem Planspiel der Lebenslügen. Sie verrät nichts voreilig, hält den Spannungsbogen mühelos aufrecht und präsentiert des Rätsels Lösung auch gerade noch zeitgerecht. Auch die ganz enge örtliche Verquickung der Proponenten kennt man bei der Autorin von früheren Romanen. Wozu in die Ferne schweifen, wenn die Antwort so nahe liegt.

Die Biografien in "David" sind mit viel Liebe ausgearbeitet. Jans biologische Mutter Magdalena bekommt viel Raum, ihre Figur ist brillant gezeichnet – vom glücklichen Leben bei der Oma über die unglückliche Beziehung zu den Eltern bis hin zur Verzweiflung und Überforderung des Teenagers, der an der Einsamkeit einer Alleinerzieherin scheitert und sich überreden lässt, sein Kind zur Adoption freizugeben. Ein subtiles Werk, eine gelungene Symbiose aus Nüchternheit und Empathie.
David

Oberösterreichische Nachrichten, Helmut Atteneder


Die Autorin reißt in "David" Tabus und Zwänge der Nachkriegszeit und den darauffolgenden Jahrzehnten an: Neid und Missgunst, Frauenfeindlichkeit, ungewollte Schwangerschaften, Doppelmoral, fremdbestimmte Lebenswege, die harte Arbeit in der Tourismusbranche, Heimatlosigkeit, Träume von Liebe, Nähe oder vom beruflichen Aufstieg in der Ferne. Die Anachronie der kurzen Kapitel zwingt den Leser dazu, sich immer wieder neu zu orientieren und mitzurätseln, während sich die verstreuten Teile des Beziehungspuzzles langsam zusammensetzen. Dank der ausgefeilten Konstruktion erfährt man erst spät, wer hier die Fäden zieht. Taschler hält den Spannungsbogen bis zum Ende aufrecht, für das letzte Kapitel ist auch noch ein Geheimnis übrig, das in den USA gelüftet wird.
David

APA, Gisela Linschinger

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