Rezensionen


„Fremd wäre sie überall, da konnte sie es auch hier sein“, heißt es in Taschlers virtuos verschachteltem Roman, den man ungern wieder aus der Hand legt. Zum einen treibt den Leser die Neugierde an: Welche Geheimnisse stecken hinter den verwitterten Bruchstücken des vermeintlichen Für-immer-Schwurs? Ist es tatsächlich nur ein Zufall, dass Jans Adoptivmutter just dort starb, wo Magdalena einst tiefglücklich und todtraurig war? Und was hat es mit den Bindungsängsten der beiden Protagonisten auf sich? Das Verschlingen von Taschlers fünftem Roman hat aber auch praktische Gründe: Wer das Beziehungspuzzle nicht in einem Zug durchliest, der läuft Gefahr, den geschickt verdrehten Erzählfaden zu verlieren. Taschler, die wie ihr Romanheld Jan selbst bei Adoptiveltern aufwuchs, drängt ihre Leser sanft in die Rolle des Detektivs, der zwischendurch auch einmal zurückblättern muss, um das von Perspektivenwechseln und Zeitsprüngen durchzogene Geflecht in allen Details zu durchschauen. Man tut es mit Genuss, weil Taschler greifbare Figuren zeichnet, die lebendige Bilder im Kopf entstehen lassen.
David

Tiroler Tageszeitung, Christiane Fasching


Großer Generationenroman!
David

Woman


Nur ein Jahr nach dem geglückten Absprung zu einem der renommiertesten Verlage Deutschlands und dem großen Erfolg von „bleiben“ hat Judith W. Taschler das nächste erfolgsverdächtige Buch geschrieben: „David“, eine Familiengeschichte über mehrere Generationen hinweg. … In 46 Kapiteln verschiebt Judith Taschler die Puzzleteile der Geschichte(n) so vorsichtig, dass sich das ganze Ausmaß eines manipulativen Eingriffs in der Vergangenheit auf das Leben der Protagonisten erst gegen Ende erschließt. Großartig (wie immer) die verschiedenen Erzählperspektiven, und wie es der Autorin gelingt, mit einer klaren Sprache Gefühle darzustellen und (beim Leser) zu wecken! Fazit: Große Fragen des Lebens - Familie, Identität, Schicksal - zwar nicht gelöst, aber packend und mit Empathie hinterfragt.
David

Buchkultur, Maria Leitner


Bei Glanzstücken der Literatur löst ein einzelnes Wort beim Leser Verwunderung, Neugier und Sehnsucht aus. Bleiben. Wer muss bleiben, was bleibt übrig, was wäre die Alternative? Judith W. Taschler fügt mit ungewöhnlichen Fragestellungen rund um das „bleiben“ diverse Erinnerungen, Beziehungen und Zusammenhänge ineinander. … Bleiben ist ein leichtfüßiger Roman, der schwerlastigen Themen durchaus Paroli bietet. Der Leser ist immer eingebunden mit dieser fragenden Art des Erzählens, nie kommt eine falsche Moral heraus.
bleiben

Südtiroler Tageszeitung, Helmut Schönauer


Eine wendungsreiche Geschichte von der Liebe in ihren unterschiedlichsten Facetten.
bleiben

Brigitte

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Über Carl reden wir morgen

Einige Monate, bevor Anton seinen Krieg mit Gott führte, hatte in Wien eine Revolution begonnen, von der man im Mühlviertel nicht viel mitbekam. Beim sonntäglichen Frühschoppen hörte Anton den Männern zu, sie redeten vorwiegend über die Forderung der Bauern: die entschädigungslose Streichung ihrer Feudallasten.

Erhitzt diskutierten sie über den Antrag auf Abschaffung des bäuerlichen Untertänigkeitsverhältnisses, den ein junger schlesischer Medizinstudent namens Hans Kudlich im Reichstag - der ersten Volksvertretung in der Geschichte der österreichischen Monarchie - eingebracht hatte. Anton las in der Zeitung einen Auszug aus seiner flammenden Rede, die der Mann unter tosendem Applaus gehalten hatte.

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