Rezensionen


Mit überraschenden Wendungen, Intrigen und Geheimnissen fordert die Judith W. Taschler die volle Aufmerksamkeit ihres Publikums. Die fesselnde Handlung und das farbige Zeitporträt von 1828 bis 1922 machen es aber leicht, diesem Drei-Generationen-Roman zu folgen. Ganz nebenbei frischt die Deutsch- und Geschichtelehrerin mit diesem detailreichen Familienporträt das Geschichtswissen ihrer Leser und Leserinnen auf.
Über Carl reden wir morgen

Kleine Zeitung


Judith W. Taschler erzählt so geschickt, dass beide Lesetypen befriedigt werden. Die einen, die eine Mühlviertelsaga mit klappernder Mühle haben wollen, und die anderen, die hinter jeder Ecke einen Stifter oder Kafka sehen.
Über Carl reden wir morgen

schoepfblog, Helmut Schönauer


Die österreichische Schriftstellerin Judith W. Taschler hat ein grausames und schon fast vergessenes Stück Weltgeschichte zum Thema eines Romans gemacht. Allein für diesen Mut gebührt ihr Respekt. Das gewagte Unterfangen gelingt, da die gescheite und begabte Autorin nicht nur gründlich recherchiert, sondern auch wochenlang Kambodscha bereist hat. ... Sie schreibt die Geschichte mit der wuchtigen Kraft einer antiken Tragödie. Es geht um Schuld und Sühne, Verbrechen und Vergebung. Es geht darum, unter welchen Bedingungen Opfer zu Tätern werden, Täter zu Tätern. Und wie schnell und warum jene, die eben noch Täter waren, zu hilflosen, dem Tode geweihten Opfern werden. Das zu lesen mag nicht einfach sein für allzu zart besaitete Gemüter. Doch es ist nur ein Teil des Bildes, das Judith Taschler entwirft, wenn auch ein wichtiger. ... Dieses Kapitel dem Dunkel der Geschichte entrissen zu haben, rechtfertigt jeden Frauenrücken auf dem Cover. Erst recht, wenn die Geschichte so gut erzählt wird wie in ‚Das Geburtstagsfest' und der Rücken ein entzückender ist.
Das Geburtstagsfest

Bettina Ruczynski, Sächsische Zeitung


Wer ist Täter? Wer Opfer? Geschickt lässt die Autorin die Frage nach den Schuldigen offen. Der Leser fiebert mit, möchte wissen, was wirklich geschehen ist. Und wird mit viel Feingefühl in eine Welt befördert, in der die Grenzen zwischen Tätern und Opfern verschwimmen. Die Friedrich-Glauser-Preisträgerin beweist mit „Das Geburtstagsfest", dass Literatur viel zur Aufarbeitung der Vergangenheit beitragen kann. Die Schreckensherrschaft der Roten Khmer erhält scharfe Konturen. Aber nicht nur das: Der Leser taucht in das Leben von Menschen ein, die Krieg und Gewaltherrschaft überleben und versuchen, nicht daran zu zerbrechen. Ein durch und durch menschlicher Roman.
Das Geburtstagsfest

Susanna Bastaroli, Die Presse


Wie in den Büchern davor, lässt die Autorin ihre mit viel Empathie gezeichneten Figuren jeweils aus ihren Blickwinkeln sprechen, entwirrt in Rückblenden scheinbar die Fäden und spinnt sie neu. Denn auch die eigenen Erinnerungen können täuschen, vor allem wenn sie mit grauenvollen Ereignissen des Pol-Pot-Regimes verknüpft sind. Und die schweigende Aufarbeitung ohne Einbeziehung derjenigen, die man glaubt, schützen zu müssen, macht es noch schwerer. Im Mühlviertel wie in Kambodscha. Taschler ist ihren Figuren nahe wie nie zuvor. Das schmerzt zuweilen, fasziniert aber immer aufs Neue.
Das Geburtstagsfest

Maria Leitner, Buchkultur

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Nur nachts ist es hell

Ob jemand misstrauisch wurde?

Ich glaube, niemand traute mir eine Affäre zu, weil ich all die Jahre nie geklagt und nie mit anderen geflirtet hatte. In mir sahen die meisten die aufopfernde Ärztin, die nur für ihre Patienten lebte, die Arbeitswütige. S 218

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